Neue Generation von Logistikrobotern: KELO Robotics

Dienstag, 27. Juli 2021
Die Erfolgsgeschichte des Deep-Tech-Startups KELO Robotics
Logistikroboter von KELO Robotics
Ein ganzes Team von Logistikrobotern. Quelle: kelo-robotics.com

„A new generation of mobile logistics robots: affordable, customizable, human-friendly and safe!“ verspricht der Slogan des jungen Unternehmens KELO Robotics GmbH. Eine Deep Tech Firma, die ihren Ursprung in der Forschung Autonomer Systeme an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) hat. „Autonome Systeme“ ist ein wichtiges Feld im Fachbereich Informatik an der H-BRS. Hier werden intelligente Roboter entwickelt, die bei Veränderungen, ob in Gesellschaft oder Umwelt, unterstützend eingesetzt werden sollen: „Roboter können Probleme, wie massive gesellschaftliche Veränderungen, Ressourcenknappheit, Klimawandel oder insbesondere den demografischen Wandel zwar nicht lösen, aber in einigen Bereichen doch deutliche Erleichterung schaffen“ sagt Professor Erwin Prassler, der im Bereich Autonome Systeme lehrt und forscht.

Schon immer hatte die Forschung im Bereich der Autonomen Systeme an der Hochschule das Ziel, Grundlagenforschung mit industrienaher und anwendungsorientierter Forschung zu verbinden. Früh entstanden Kooperationen mit Roboterherstellern, darunter auch der größte Hersteller Deutschlands KUKA. Der enge Austausch führte auch dazu, immer wieder speziellen Kundenbedürfnissen nachzugehen. So wurden beispielsweise Logistikroboter speziell für den Einsatz in Krankenhäusern und der Automobilzulieferindustrie geschaffen, die das Personal entlasten sollten. So konnten mobile Logistikroboter beispielsweise das Pflegepersonal in Krankenhäusern von sehr eintönigen und zeitraubenden Tätigkeiten, wie dem Materialtransport, befreien und damit mehr Zeit für die eigentliche Pflege schaffen.

Man wollte möglichst schnell auf besondere Anforderungen reagieren und das immer zu der Prämisse: Sicherheit und Nachgiebigkeit. Die Roboter dürfen demnach in einem Notfall unter keinen Umständen Wege oder Brandschutztüren blockieren und müssen immer zur Seite geschoben werden können.

2017 entstand das Forschungsprojekt ROPOD, das mit einer Laufzeit von drei Jahren durch das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020 der Europäischen Union gefördert wurde. Dabei unterstützte aus dem Forschungsmanagement des Zentrums für Wissenschafts- und Technologietransfer der Forschungsreferent Roland Wünsch in der formalen Umsetzung.

UV-C Roboter am Campus Sankt Augustin
Der Prototyp des UV-C Roboters am Campus Sankt Augustin, Quelle: J. Schuh, Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

Auch während der Pandemie stellte sich die Forschergruppe um Professor Prassler flexibel und innovativ der neuen Herausforderung: Auf Basis der Logistikroboter wurde in kürzester Zeit ein sogenannter UV-C-Roboter entwickelt. Dieser reinigt Oberflächen, indem er Viren anhand von UV-C-Licht abtötet. Solche Strahlungen sind für den Menschen schädlich, weshalb ein Kamerasystem verbaut ist, das mögliche Personen in der Nähe erkennt und Strahlungen in diese Richtung abschaltet. Der Prototyp steht an der Hochschule, ein weiterer Roboter wird gerade angefertigt.

Die Ausgründung: KELO Robotics

Mit dem Ziel „Cheaper, greener, safer“ entwickelt das Deep Tech Unternehmen Roboter nach Kundenbedürfnissen. Darüber hinaus ergänzt das smarte Baukastensystem KELO ROBILE das Sortiment. Die Verwendung der gleichen Komponenten in verschiedenen Robotermodellen ermöglicht damit Skaleneffekte und reduziert die Kosten sowohl in der Entwicklung als auch in der Serienproduktion.

Das zwanzigköpfige Team des Start-Ups besteht zum großen Teil aus Alumni der H-BRS und hat neben des Standortes Augsburg seinen Platz im BusinessCampus in Sankt Augustin gefunden. Dies ist das hochschulansässige Zentrum für Gründung, Ansiedlung und Wachstum von jungen Unternehmen im Rhein-Sieg-Kreis und in der Wissenschaftsregion Bonn.

Mitarbeiter von KELO Robotics am Campus Sankt Augustin
Mitarbeiter bei KELO Robotics: v.r.n.l.: Alumnus Sebastian Blumenthal mit Studenten Dharmin Bakaraniya und Ahmed Abdelrahman, Quelle: J. Schuh, Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

Sebastian Blumenthal, Leiter der Softwareentwicklung für Logistikroboter bei KELO Robotics in Sankt Augustin und Alumnus der Hochschule, berichtet über seine Arbeit: „Ich liebe es komplexe Dinge zu erschaffen. Insbesondere interdisziplinär aus einzelnen Bausteinen von Soft- und Hardware ein Ganzes zu schaffen entspricht mir. Das Verhalten von Robotern ist außerdem eine Art Psychologie, mit der man sich auseinandersetzen muss.“

Ein Blick in die Zukunft

Die Aussichten auf eine langfristige Etablierung am Markt und ein wettbewerbsfähiges Unternehmen zu werden, bestätigen nicht nur die Teilnahmen an diversen Start Up Wettbewerben. Bei EBAN, dem European Business Angel Network, ein Verband von Frühphaseninvestoren, hat KELO Robotics die DACH-Division des
Entrepreneurship World Cup 2021 gewonnen. Durch den ersten Platz hat sich die KELO für
das Finale des World Cups 2021 qualifiziert und es damit unter die Top 100 Startups weltweit
geschafft.

Darüber hinaus befindet sich KELO Robotics derzeit mit der DHL International GmbH in einer Testphase eines Roboters, der bei der Organisation von Containern eingesetzt werden soll.

In einem Jahr hat das Unternehmen sechs neue Arbeitsplätze geschaffen und damit seine Teamgröße verdoppelt. Mittlerweile beschäftigt die Firma zwölf Festangestellte sowie vier Teilzeitkräfte und fünf Studierende.

Professor Prassler betont abschließend: „Die enge Zusammenarbeit zwischen der Hochschule und KELO Robotics ist eine Erfolgsgeschichte, von der beide Parteien profitieren. Einerseits bringt die KELO Robotics sehr konkrete industrienahe Themen in die Ausbildung unserer MAS Studierenden ein, was deren Berufsaussichten steigert und damit auch zum guten Ruf der Hochschule beiträgt, zum anderen profitiert die Firma natürlich auch von dem Zugang zu hervorragend ausgebildeten Studierenden. Die KELO Robotics will in den nächsten fünf Jahren auf über 150 Mitarbeiter wachsen. Ohne diesen Zugang würde das sehr schwer werden."

Man darf also gespannt bleiben.