Transferimpulspreis 2022 verliehen

Dienstag, 24. Mai 2022
Insgesamt fünf Forschende der Hochschule wurden im Mai 2022 mit dem Transferimpulspreis ausgezeichnet. Sie überzeugten mit Konzepten, die sich „mit wissenschaftlich und wirtschaftlich relevanten Fragestellungen auseinandersetzen, von großem öffentlichen Interesse und von praktischer Relevanz sind“, fasste Vizepräsident Udo Scheuer die Entscheidung der Jury zusammen. Die prämierten Konzepte beschäftigen sich mit der Forschung in den Bereichen Fluglärm, Wiederaufforstung und Solarstrahlungsmessung. Alle Konzepte integrieren die Zusammenarbeit mit Bürgerinnen und Bürgern im Sinne des Citizen-Science -Ansatzes.
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Von links: Dr. Udo Scheuer, Maximilian Johanneken, Dr. James Barry, Prof. Dr. Ingo Groß, Prof. Dr. Paul Melcher, Prof. Dr. Irene Rothe, Fabian Tenk. Foto: Pascal Kimmich

1. Preis für Forschung zur Strahlenmessung

Dr. James Barry vom Internationalen Zentrum für nachhaltige Entwicklung (IZNE) erhielt für sein Konzept zur Entwicklung von Solarstrahlungsmessstellen den ersten Preis. Mit dem Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro soll ein Prototyp eines Low-Cost-Sensors zur Solarstrahlungsmessung entwickelt werden. Ein solcher Sensor könnte in Zukunft in jedem Garten oder auf dem Balkon eingesetzt werden. Ziel ist jedoch nicht nur der Gebrauch, sondern auch die Nutzung der Daten für den Aufbau eines regionalen Strahlungsmessnetzes. Dr. Barry sieht in der Zusammenarbeit mit Bürgerinnen und Bürgern einen großen Vorteil: „Es gibt bei Weitem nicht genug Strahlungsdaten. Wir könnten mit der Beteiligung der Bürger bessere Vorhersagen beim Energieertrag von Photovoltaikanlagen erzielen und einen wichtigen Beitrag für die Wetter- und Klimaforschung leisten.“

Nach der Entwicklung des Prototyps am Energiemeteorologischen Labor der Hochschule wird ein Anleitungsvideo erstellt. Studierende sowie Schülerinnen und Schüler haben dann die Möglichkeit, den Sensor nachzubauen, zu Hause zu installieren und zu testen. Geplant ist auch der Aufbau eines CitizenLabs für ein regionales Strahlungs- und Klimamonitoring. Aus den gesammelten Daten könnte eine regionale Strahlungskarte entstehen.

Zwei zweite Preise für die Themen Fluglärm und Wiederaufforstung

Den zweiten Preis mit einem Preisgeld in Höhe von je 2.500 Euro teilen sich zwei weitere Einreichungen.

Schalldruckmessung durch Feldforschung

Das Konzept der Professoren Dr. Ingo Groß, Dr. Paul Melcher und Professorin Dr. Irene Rothe aus dem Fachbereich Elektrotechnik, Maschinenbau und Technikjournalismus (EMT) stützt sich ebenfalls auf die Mitwirkung von Bürgerinnen und Bürgern. Die Forschenden möchten mittels Feldforschung herausfinden, wie und in welchem Maß sogenannter Schalldruck durch nächtlichen Flugbetrieb auf den menschlichen Organismus wirkt und im Schlaf für Aufwachsituationen sorgen könnte. „Im Labor wurden ähnliche Versuche bereits durchgeführt“, erklärt Dr. Ingo Groß bei der Preisverleihung, „mit sehr vielen Probanden, die zu Hause schlafen und damit ihrer normalen Umgebung ausgesetzt sind, wurde jedoch noch nie an diesen Fragen geforscht.“ Groß betont, es gehe nicht primär um Fluglärm, sondern um den Schalldruck, der unhörbar, aber durchaus gut messbar ist.

In dem multidisziplinären Projekt ADENiA arbeiten neben weiteren Forschenden insbesondere auch Schlafmedizinerinnen und -mediziner mit. Eine Ethikkommission hat das geplante Verfahren bereits genehmigt. Die anonymisierten Daten von Schlafsensoren, die unter der Matratze befestigt sind sowie die Messergebnisse für den nächtlichen Schalldruck bilden die Grundlage des Forschungsansatzes. Erste Sensoren wurden bereits an der Hochschule von Studierenden gebaut. Demnächst können sich Bürgerinnen und Bürger an einer Vorstudie beteiligen.

Kommunikationsnetzwerk begleitet Wiederaufforstung durch Drohnen

Mit dem dritten Projekt wird der Kommunikationsansatz, den der Informatiker Maximilian Johenneken vom Institut für Technik, Ressourcenschonung und Energieeffizienz (TREE) verfolgt, prämiert. Rund um ein Projekt zur Wiederaufforstung mit Drohnen möchte er ein Kommunikationsnetzwerk aufbauen. Dabei soll über Forschung zu Themen wie Waldsterben, Klimafolgenanpassung, Naturschutz und digitale Innovationen – etwa durch den Einsatz von Drohnen und künstlicher Intelligenz – intensiver informiert werden. Gleichzeitig soll das Netzwerk das Verständnis für den Technologiebereich verbessern, meint Johenneken. „Der Dialog soll dazu dienen, auf der einen Seite die Akzeptanz neuer Technologien zu erhöhen, die andere Seite soll dagegen bestehende Bedenken in Bezug auf Naturschutz und Privatsphäre verstehen.“

Erste Schritte zu mehr und besserem Verständnis wären laut Johenneken, das Projekt bei einschlägigen Verbänden und Arbeitsgruppen vorzustellen und Kooperationen einzugehen. Es ist bereits angedacht, zusammen mit der Unteren Naturschutzbehörde Bonn einen Kurs an der Volkshochschule Bonn zu realisieren.

Der Jury für den Transferimpulspreis 2022 gehörten an: Vizepräsident Dr. Udo Scheuer und aus dem Zentrum für Wissenschafts- und Technologietransfer (ZWT) Anja Schlochtermeier und Sascha Czornohus sowie die Preisträger des Vorjahres, Professorin Dr. Susanne Keil und Professor Dr. Martin Sieber.

Organisator des Transferimpulspreises 2022 war Fabian Tenk von Zentrum für Wissenschafts- und Technologietransfer.

Mit dem Projekt „Campus to World“ erweitert die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ihre Transferaktivitäten mit dem Ziel, die Wissenschaftskommunikation mit der Öffentlichkeit auszubauen und neue Partnerschaften für eine fachbezogene Zusammenarbeit zu finden.